Geschichte der Haller Partisaner Garde


1523 - Die Anfänge einer Sakramentswache

  • Hall_Ansicht_1556

Die Zeit um 1500 war geprägt von gesellschaftlichen und religiösen Konflikten, die in der Erhebung der Reichsritter (1522/23) und dem großen Bauernkrieg (1524/25) ihren Höhepunkt fanden. Die neuen Lehren von Martin Luther fanden gerade in der damals sehr bedeutenden Bergbau- und Handelsstadt Hall in Tirol großen Zuspruch beim Volke.

Auseinandersetzungen und auch tätliche Übergriffe durch die Anhänger der neuen Lehre kamen an vielen Orten des Reiches vor. Auch in der Stadt Hall wurde bereits im Jahre 1523 eine bewaffnete Garde zum Schutze des Allerheiligsten aufgestellt.


1578 - Die Stifterin der Partisaner Garde

  • MagdalenabrunnenBrunnenstatue der Erzherzogin Magdalena am Stiftsplatz in Hall in Tirol

Erzherzogin Magdalena, eine Nichte von Kaiser Karl V. und Schwester des Tiroler Landesfürsten Erzherzog Ferdinand II., war sehr bemüht, die katholische Kirche in Hall wieder zu festigen. Sie gründete das Damenstift, berief den Jesuitenorden nach Hall und rief schließlich 1578 die Marianische Kongregation ins Leben. Sie bestimmte, dass am Feste Mariä Verkündigung eine Prozession stattfinden solle und dass das Allerheiligste von einer aus Bürgern gebildeten Ehrenwache in Spanischer Tracht mit Hellebarden begleitet werde.


1609 - Die Fronleichnamsbruderschaft

Im Jahre 1609 hatte sich in der Haller Salvatorkirche zur größeren Verehrung des Allerheiligsten Sakramentes eine Fronleichnamsbruderschaft gebildet. Sie gestaltete unter anderem das Fronleichnamsfest und sorgte für die Begleitung des Allerheiligsten auf den Prozessionen und Versehgängen. Die Mitglieder der Bruderschaft mussten das Haller Bürgerrecht besitzen und durften nicht „zu den Fahnen gehören“. Dieser Bruderschaft wurde schließlich die Partisaner Garde einverleibt.


1782 - Aufhebung unter Kaiser Josef II

  • Kaiser Josef IIKaiser Josef II

Im ausgehenden 18. Jahrhundert wurden im Geiste der Aufklärung unter Kaiser Josef II. tiefgreifende Reformen verordnet (= Josefinismus). 1782 wurden auch alle religiösen Laienvereinigungen, wie eben die Fronleichnamsbruderschaft mit der Partisaner Garde aufgelöst. Nach dem Tod des Kaisers im Jahre 1790 wurden viele seiner Verordnungen wieder rückgängig gemacht, und die Partisaner Garde kam bald wieder zu frührer Größe zurück.


1809 - Die bayrisch-französische Besetzung Tirols

  • Tirol Anno 1809Andreas Hofer mit den Tiroler Freiheitskämpfern. Laut dieser zeitgenössischen Zeichnung wurden tatsächlich auch noch Hellebarden zum Kampf gegen die Bayern und Franzosen verwendet.

Noch im Jahre 1805 wurden für die beiden Offiziere zwei prunkvolle Partisanen mit vergoldeten Klingen angeschafft. Als die Erhebung Tirols unter der Führung von Andreas Hofer im Jahre 1809 ihr schmerzliches Ende gefunden hatte, mussten auch die schönen Partisanen der Garde mit allen anderen Waffen abgeliefert werden. Schon im Jahre 1812 jedoch wurden auf ein Majestätsgesuch hin die Partisanen vom König von Bayern, der sie offenbar nicht sonderlich fürchtete, wieder freigegeben und aus dem Münchner Zeughaus nach Hall zurückgestellt.

  • OffizierspartisaneOffiziers-Partisane von 1805

1895/1898 - Niedergang und Neugründung

Am Ende des 19. Jahrhunderts bewog die gerade in den gehobenen Kreisen sich ausbreitende Geisteshaltung des Liberalismus allmählich die Bürger und angesehenen Persönlichkeiten der Stadt, sich vom Ehrendienste der Sakramentswache zurückzuziehen. Da mit der Zeit nicht nur die Kleider schadhaft wurden, sondern auch einzelne Gardisten nicht gerade den besten Ruf genossen, wurde dieser altehrwürdige Brauch im Jahre 1890 völlig aufgegeben.

Schließlich gelang es dem Franziskanerpater Georg Klieber die Partisaner Garde wieder aufzustellen. Das blau-weiße Band der Standarte erinnert an die Fahnenweihe im Jahre 1895. Der Haller Kunstmaler Franz Xaver Fuchs entwarf im Anklang an die überlieferten Formen die noch heute getragene Spanische Tracht, die im Jahre 1898 schließlich mithilfe einer Spendensammlung unter den Haller Bürgern angeschafft werden konnte.

  • Fahnenpatin
  • SchuheSchuh aus Seidenstoff von 1898

1928 - Die Zwischenkriegszeit

  • Fronleichnam 1937Bundesheer und Partisaner Garde bei der Haller Fronleichnamsprozession im Jahre 1937. Foto: Dr. Hermann Lechner


Die Kongregation der Herren und Bürger von Hall beschloss bei der Konsultsitzung vom 28. Mai 1928, die Partisaner Garde als eigene Sektion in den Verband der Kongregation einzugliedern, um zu verhindern, dass „die ganze Institution neuerdings dem Verfall entgegengehen könnte“


1946 - Wiederauferstehung nach dem Verbot im Dritten Reich

  • Lambichler PortraitKoop. Josef Lambichler

1938 erfolgte der Anschluss Österreichs an das Dritte Reich. Das NS-Regime erschwerte die kirchliche Arbeit mit zahlreichen Einschränkungen. So wurden alle religiösen Vereinigungen aufgelöst, die Haller Klosterschulen den Orden entzogen und diese selbst vertrieben. 1939 durfte die Fronleichnamsprozession gerade noch einen kurzen Verlauf durch den Langen Graben, die Salvatorgasse und Ritter-Waldauf-Straße zurück zur Pfarrkirche nehmen. Später wurde auch dies verboten. Aus Sicherheitsgründen versteckten die einzelnen Gardisten ihre Tracht jeweils an getrennten Orten.

Als nach dem Kriege Kooperator Josef Lambichler die Partisaner Garde wieder zusammenrief, konnten leider nicht mehr alle 21 Trachten wiedergefunden werden. Seit 1946 begleitet die Partisaner Garde ohne Unterbrechung das Allerheiligste bei den Prozessionen durch die Stadt Hall.


1988 - Besuch von Papst Johannes Paul II in Tirol

Einen Höhepunkt in der langen Geschichte der Partisaner Garde stellte der Besuch von Papst Johannes Paul II in Tirol am 27. Juni 1988 dar. Gemeinsam mit den Partisanerbünden von Thaur und Volders konnte sie an der Hl. Messe im Bergisel Stadion teilnehmen. Je zwei Offiziere der Garden eskortierten den Heiligen Vater bei seinem Einzug. Nach der Messe fuhr der Papst im Papamobil durch das Spalier der Partisaner.

  • Papstbesuch_1
  • Papstbesuch_2
  • Papstbesuch_3

2006 - Besuch bei der Schweizer Garde in Rom

Ein mehrtägiger Festreigen (3. – 7. Mai 2006) bildete den Höhepunkt des 500-Jahr-Jubiläums der päpstlichen Schweizer Garde in Rom. 14 Gardisten konnten in Tracht an der farbenprächtigen Vereidigung der neuen Rekruten der Schweizer Garde am Petersplatz teilnehmen.

  • 01_banner
  • 02_SchweizerGardeDie Schweizer Garde beim Exerzieren im Gardequartier
  • 03_PartisanerGardeDie Partisaner Garde am Petersplatz in Rom
  • 04_UebergabeGlückwünsche an den Kommandanten der päpstlichen Schweizer Garde, Oberst Elmar Th. Mäder